Wer regelmäßig mit MS-DOS arbeitet, kennt die Grenzen von COMMAND.COM. Der mitgelieferte Kommandointerpreter erledigt zwar zuverlässig seine Aufgaben, bietet aber (diplomatisch formuliert) nur recht überschaubaren Komfort. Eine Befehls-History? Fehlanzeige. Dateinamen automatisch vervollständigen? Nope… Und auch sonst wirkt die Kommandozeile im Vergleich zu modernen Shells ziemlich spartanisch.
Dabei muss das gar nicht sein. Mit 4DOS gibt es bereits seit den späten 1980er-Jahren einen deutlich leistungsfähigeren Ersatz für den DOS-Kommandointerpreter. Die letzte Version, 4DOS 8.00, bringt eine ganze Reihe von Funktionen mit, die man heute von einer komfortablen Kommandozeile erwartet.
Schauen wir uns das Ganze einmal etwas genauer an.
Was ist eigentlich 4DOS?
4DOS wurde ursprünglich von JP Software entwickelt und war zunächst kommerzielle Shareware. Das Programm ersetzt den standardmäßigen Kommandointerpreter COMMAND.COM von MS-DOS und erweitert dessen Möglichkeiten erheblich.
Nach dem Ende der kommerziellen Entwicklung wurde 4DOS als Freeware freigegeben. Die Weiterentwicklung wurde anschließend von engagierten Entwicklern fortgeführt.
Die Version 4DOS 8.00 (Build 200) erschien im Februar 2009 und ist die letzte veröffentlichte Version.
Das Schöne daran: 4DOS funktioniert nicht nur mit exotischen DOS-Varianten, sondern auch mit dem guten alten MS-DOS 6.22, das wir hier verwenden.
Was macht 4DOS besser?
Die Liste der Funktionen ist ziemlich lang. Wir konzentrieren uns deshalb auf die Dinge, die im täglichen Umgang mit DOS tatsächlich einen Unterschied machen.
1. Befehlsverlauf und komfortable Eingabe
Das ist vermutlich die auffälligste Verbesserung.
Mit 4DOS bekommt die Kommandozeile eine richtige History. Über die Pfeiltasten hoch und runter lassen sich zuvor eingegebene Befehle wieder aufrufen. Man muss also nicht mehr ständig dieselben langen Befehle eintippen.
Dazu kommt die automatische Vervollständigung von Datei- und Verzeichnisnamen über die TAB-Taste.
Wer beispielsweise in ein Verzeichnis wechseln möchte, muss nicht mehr den kompletten Namen eintippen. Ein paar Zeichen reichen und 4DOS hilft beim Rest.
Gerade wenn man regelmäßig mit langen Dateinamen oder verschachtelten Verzeichnisstrukturen arbeitet, ist das eine enorme Erleichterung.
2. Eigene Aliases
Wer häufig dieselben Befehle verwendet, kann sich mit sogenannten Aliases eigene Abkürzungen definieren.
Ein paar Beispiele:
alias ll=dir /w
alias c=cls
alias ..=cd ..Damit wird aus einem langen Befehl eine kurze Eingabe. Die Aliases können auch komplexere Befehlsfolgen enthalten.
Das ist besonders praktisch, wenn man häufiger zwischen verschiedenen Verzeichnissen wechselt oder bestimmte DOS-Kommandos regelmäßig benötigt.
3. Ein deutlich besseres DIR
Auch der klassische DIR-Befehl wurde kräftig erweitert.
4DOS kann Verzeichnisinhalte unter anderem farbig darstellen, sortieren und in verschiedenen Formaten ausgeben.
Dateien lassen sich beispielsweise nach Name, Größe oder Datum sortieren. Auch die Darstellung in mehreren Spalten ist möglich.
Das klingt zunächst nach einer Kleinigkeit, macht die Arbeit mit größeren Verzeichnissen aber deutlich angenehmer.
4. Erweiterte Batch-Dateien
Wer unter DOS schon einmal etwas mehr automatisieren wollte, kennt die Grenzen klassischer BAT-Dateien.
Auch hier legt 4DOS ordentlich nach.
Neben den normalen Batch-Dateien gibt es das eigene Format .BTM. Diese Dateien werden von 4DOS speziell verarbeitet und können dadurch effizienter ausgeführt werden.
Dazu kommen zahlreiche Erweiterungen für Variablen, Bedingungen, Schleifen und Unterprogramme.
Für komplexere DOS-Skripte ist das ein ziemlich mächtiges Werkzeug.
5. Jede Menge zusätzliche Befehle
4DOS bringt über 110 eigene Befehle mit und erweitert viele der bereits vorhandenen DOS-Kommandos.
Ein paar Beispiele:
PUSHDundPOPD: Verzeichniswechsel mit komfortabler Rückkehr zum vorherigen Verzeichnis.CDD: Laufwerk und Verzeichnis gleichzeitig wechseln.SELECT: Interaktive Dateiauswahl.OPTION: Umfangreiche Konfiguration direkt über die Kommandozeile.VIEW: Dateien direkt anzeigen.
Dazu kommen zahlreiche interne Variablen und Funktionen, die sich auch in Batch-Dateien verwenden lassen.
Und falls man einmal nicht weiterkommt: Mit F1 steht eine kontextsensitive Hilfe zur Verfügung.
Installation unter MS-DOS 6.22
Die Installation ist erfreulich unkompliziert.
Zunächst benötigen wir die Dateien von 4DOS 8.00. Eine offizielle Hersteller-Downloadseite gibt es inzwischen nicht mehr. Die archivierten Dateien und die Dokumentation findet man beispielsweise bei 4DOS.INFO.
Die Dateien könnt ihr dann mit meinem kleinen Tool disc_create bequem als ISO zusammenpacken und dann in PCem einbinden – oder einfach folgende von mir erstellte ISO verwenden:
4DOS ist ein komfortabler Ersatz für das MS-DOS eigene COMMAND.COM
Quelle: 4dos.info
Format: ISO-Image
Installation und Start
Wir legen auf unserer DOS-Festplatte zunächst ein eigenes Verzeichnis an:
MD C:\4DOSAnschließend kopieren wir die entpackten Dateien von der vorher eingebundenen CD in dieses Verzeichnis.
Dann kann 4DOS einfach direkt gestartet werden:
C:\4DOS\4DOS.COMBeim ersten Start startet automatisch eine Installationsroutine, die für euch die notwendigen Anpassungen an CONFIG.SYS / AUTOEXEC.BAT vornimmt und legt dabei Sicherungskopien der Originaldateien an.
Nach einem Neustart übernimmt 4DOS nun standardmäßig die Rolle des bisherigen Kommandointerpreters.
Konfiguration und Hilfe
Nach der Installation lohnt sich ein Blick auf die Konfigurationsmöglichkeiten von 4DOS. Mit dem Befehl OPTION lässt sich ein umfangreiches Konfigurationsmenü aufrufen, über das sich zahlreiche Einstellungen bequem anpassen lassen. So kann man beispielsweise das Verhalten der Kommandozeile und die Darstellung an die eigenen Vorlieben anpassen.
Auch eine ausführliche Hilfe ist vorhanden: Mit F1 erhält man kontextbezogene Unterstützung, alternativ lassen sich über HELP gezielt Informationen zu einzelnen Befehlen und Funktionen abrufen. Voraussetzung ist natürlich, dass die entsprechenden Hilfedateien mitinstalliert wurden.
Damit muss man sich nicht gleich durch das komplette Handbuch arbeiten, um die wichtigsten Funktionen von 4DOS kennenzulernen.
Lohnt sich der Wechsel?
Definitiv! Und zwar nicht nur wenn man häufiger mit DOS arbeitet.
Natürlich braucht man nicht alle der über 110 zusätzlichen Befehle und Funktionen. Aber bereits die Befehls-History, die automatische Vervollständigung und die Aliases machen die Arbeit deutlich komfortabler.
Dabei bleibt 4DOS erfreulich nah am gewohnten DOS. Die meisten bekannten Befehle funktionieren weiterhin, und auch klassische DOS-Anwendungen werden dadurch nicht ersetzt oder verändert.
Wer also noch einen DOS-Rechner betreibt, sei es auf echter Hardware oder in einem Emulator wie PCem, sollte sich 4DOS durchaus einmal ansehen.
COMMAND.COM war gestern.




